Die Frankfurter „Beiträge zur Rechts-, Gesellschafts- und Kulturkritik“, herausgegeben von Malte-Christian Gruber, führen die im Jahr 1996 von Gisela Engel begründeten „Salecina-Beiträge zur Gesellschafts- und Kulturkritik“ mit einer zusätzlichen rechtswissenschaftlichen Akzentuierung fort. Der ursprüngliche Name der Reihe geht auf die früher jeweils in den Sommermonaten im Bildungszentrum der Stiftung Salecina (Maloja/Schweiz) veranstalteten Tagungen zur Gesellschafts- und Kulturkritik zurück. Inzwischen finden die Veranstaltungen in Frankfurt am Main statt und erfahren dort eine thematische Erweiterung um Fragen der Rechtskritik.
Die daraus hervorgehende Reihe soll nunmehr auch der besonderen Bedeutung von Rechtsphilosophie und Rechtstheorie für gesellschaftliche sowie kulturelle Fragestellungen Rechnung tragen und insoweit eine auch im Vergleich zu normativer Ethik und Moralphilosophie erweiterte kritische Perspektive eröffnen. Zugleich will die Reihe die Unverzichtbarkeit der Rechtsphilosophie für die universitäre rechtswissenschaftliche Ausbildung verdeutlichen. Sie richtet sich dabei vor allem auch an den wissenschaftlichen Nachwuchs, den sie ausdrücklich zur Mitarbeit ermutigen will. Die rechtswissenschaftliche Grundlagenforschung soll damit einerseits noch weitere Unterstützung erfahren, andererseits aber auch selbst einen Beitrag zu geisteswissenschaftlichen Fragen leisten: Denn das Recht, verstanden als ein Bestandteil von Gesellschaft und Kultur, muss nach einem interdisziplinären Austausch der damit befassten Gesellschafts-, Geistes- und Kulturwissenschaften suchen. Naturalistische Betrachtungen sollen dabei zwar nicht von vornherein ausgeschlossen werden, müssen sich aber zumindest auch mit einer kritischen, verstehenden Perspektive auseinandersetzen.
Kritik heißt in diesem Sinne, die in gesellschaftlichen Strukturen und kulturellen Gedankenformationen enthaltenen Uniformisierungen, Hierarchisierungen, Totalisierungen in Zweifel zu ziehen und ihnen die emanzipatorische Einbeziehung von Alteritäten gegenüberzustellen. Dies gilt in besonderem Maße auch für die selbstbezüglichen Tendenzen einzelner Disziplinen. Erst die Begegnung mit den Sichtweisen der Anderen befähigt zur Selbstkritik. Vor diesem Hintergrund bietet die Reihe ein Forum für interdisziplinäre Arbeiten zu aktuellen gesellschaftlichen Fragen. Sie stellt sich damit der besonderen Herausforderung, denen die disziplinenübergreifende Arbeit notwendig begegnet: Wenn es darum geht, eine gemeinsame Sprache zu finden, um sich über den zu behandelnden Gegenstand und die eigenen, fachspezifischen Vorstellungen zu verständigen, sind die Themen zwar zunächst allgemein zu bestimmen, bedürfen aber in der näheren Befassung einer deutlicheren Fokussierung. Bei aller Annäherung an ein gemeinsames Thema erscheint es allerdings als erstrebenswert, den Diskurs aus pluralen Perspektiven weiterhin anschlussfähig zu gestalten. Nur auf diese Weise vermag Rechts-, Gesellschafts- und Kulturkritik dem Ziel näher zu kommen, Kritik nicht alleine abstrakt, „von außen“ zu üben, sondern auch aus einer immanenten, teilnehmenden Sicht zu konkretisieren. Dann jedenfalls bedeutet Kritik mehr als bloße Verweigerungshaltung, nämlich Irritation und Provokation zur Selbstreproduktion – oder auch Anregung zu selbständigem Streben nach Veränderung.

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